Vasaloppet 2012 – Nachlese

Der Vasaloppet ist zwar nun schon ein Weilchen her, ich bin diesem Blog aber immer noch einen Bericht als Nachlese schuldig … Der Tag fing um 3:00 Uhr morgens an, ab 3:30 Uhr gab es im Hotel Frühstücksbuffet für alle Läufer. Um 4:45 Uhr fuhr dann der Bus ab Malung. Die Fahrt dauert ungefähr eine Stunde, inklusive Stau vor Sälen, so daß wir kurz nach 6:00 Uhr im Startbereich waren. Leider habe ich dann einen großen Fehler gemacht: nämlich an den Toiletten anstehen, herumschauen, wie das mit den Startblöcken funktioniert und herausfinden, wo man sein Gepäck abgeben kann. Als ich dann meinen Startblock betrat, war der dann schon ziemlich voll und ich mußte meine Ski schon ziemlich weit hinten abstellen. Bis zum Start war dann noch eine Stunde Zeit, so daß ich noch Zeit für ein paar Fotos hatte.

Pünktlich um 8:00 Uhr dann der Startschuß. Ich schätze, daß ich zwei Drittel des letzten Startblocks vor mir hatte, also insgesamt ca. 12.000 – 13.000 Leute. Wenn man soweit hinten steht geht es ziemlich gemütlich los und besonders weit kommt man auch nicht. Der berüchtigte Startberg (hat der eigentlich einen Namen??) beginnt ca. 1,5 km nach dem Start. Durch den Ziehharmonikaeffekt staut sich dort das Feld um so mehr, je weiter hinten man steht. Den Berg habe ich dann mit kleinen Trippelschritten bewältigt und immer wieder steht man. Das Ganze ist so gemütlich, daß man problemlos die Kamera zücken und ein paar Bilder machen kann (meine kleine Kamera paßt wunderbar in eine der Taschen meines Trikots). Leider zog sich der Stau recht lange hin, bis Kilometer 2 habe ich 54 Minuten gebraucht (jeder Kilometer ist übrigens ausgeschildert und es wird rückwärts gezählt, was recht demotivierend sein kann, wenn da eine 88 steht).

Den höchsten Punkt der Strecke erreicht man dann bereits bei Kilometer 3, ab dieser Stelle geht es dann auch etwas zügiger voran. Irgendwo zwischen Kilometer 5 und 10 kann man dann auch langsam anfangen, sein eigenes Tempo zu laufen. Es gibt sechs Spuren und überall stehen Schilder „rechts langsam, links schnell“. Die meisten halten sich überraschenderweise auch dran. Die Loipen waren übrigens hervorragend präpariert, bretthart und daher sehr schnell. Der ganze Aufwand beim Wachsen vom Vortag (mehrere Schichten VR45 / VR40 als Abdeckung auf Eisklister) hatte sich gelohnt, mein Ski war sehr schnell und ich hatte sehr guten Stieg bis zum Ende. In den Abfahrten bin ich meistens auf andere aufgefahren.

Der Vasaloppet ist vom Profil her (siehe unten) recht einfach, es geht tendenziell bergab. Anstiege gibt es wenige, häufiger aber kurze Steilstücke, die ich meist auf der linken Seite hinaufgerannt bin (so denn Platz war). Die Verpflegung ist mittelprächtig, es gibt Wasser, Energy Drinks und die berühmte Blaubeersuppe sowie eine Art weicher Brötchen. Diese bekommt man aber nur mit Flüssigkeit hinter, ich habe bei Verpflegungsstelle 2 und 3 welche gegessen. Ab Nummer 4 habe ich nichts mehr gegessen, sondern auf meine Gels zurückgegriffen (Power Bar in den Geschmacksrichtungen Zitrone und Johannisbeere, beides ist halbwegs erträglich). Das hat auch gut funktioniert, pro Station je ein Gel zusammen mit Wasser.

Bis zur Hälfte bin ich recht zügig vorangekommen, ab Evertsberg gibt es statt sechs jedoch nur noch vier Spuren, was für etliche Kilometer ziemlich aufhält. Ab Kilometer 60 habe ich dann auf den „Mann mit dem Hammer“ gewartet, immerhin waren 50 Kilometer bisher das längste was ich je gelaufen bin. Doch es ist nichts passiert, ich wurde zwar langsam müde, jedoch bei weitem nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Auch keine Krämpfe (wie in Oberammergau) oder Magenschmerzen, einfach gar nichts. Das einzige Problem: ab Kilometer 70 bekam ich Rückenschmerzen, was aber nicht so überraschend war, da ich die überwiegende Zeit mit Doppelstockschub unterwegs gewesen bin. 20 Kilometer vor dem Ziel ist einem das dann aber auch herzlich egal. Das war auch ungefähr der Zeitpunkt, ab dem ich meine vermutliche Zielzeit ausgerechnet hab (man hat ja eine Menge Zeit und kann sich so im Kopfrechnen üben). Resultat: unter acht Stunden ist trotz Stau immer noch möglich! Das war dann auch der Anreiz, die Rückenschmerzen zu ignorieren. 15 Kilometer vor dem Ziel hatte ich einen Puffer von sechs Minuten, daher habe ich an der letzten Verpflegungsstation das Gel weggelassen und nur noch zwei Becher Kaffee getrunken. Bei Kilometer 85 war ich mir dann auch sicher, daß ich das noch schaffen würde. Deshalb habe ich dann in Mora das Tempo herausgenommen und den letzten Kilometer genossen. Das Glücksgefühl im Ziel ist übrigens überwältigend …

Am Ende blieb die Uhr bei 07:52:16 h stehen, Platz 8549, ich habe also schätzungsweise ca. 3000 bis 4000 Leute überholt (siehe Tabelle unten), was für mich ungewöhnlich ist, da ich es eher gewohnt bin, überholt zu werden. Fazit: ein großartiges Erlebnis bei fantastischem Wetter und hervorragenden Loipen (OK, fast, ab Kilometer 70 lag Kunstschnee und entsprechend weich war’s dann auch) was ich jederzeit nochmal machen würde. Ganz vorn ging’s übrigens ebenfalls sehr zügig zur Sache. 2012 war ein Rekordjahr, sowohl bei den Männern (Jörgen Brink in 03:38:41 h) als auch bei den Frauen (Vibeke Skofterud in 04:08:24 h) wurden Rekordzeiten gelaufen. Unten gibt es auch noch eine Karte und das Profil der Strecke und wer sich dafür interessiert kann sich auch noch die GPS-Aufzeichnung herunterladen. Mit diesem Eintrag hat sich auch der Zweck dieses Blogs erfüllt, die Vorbereitung und die Durchführung des Unternehmens Vasaloppet 2012 ein wenig zu dokumentieren. Daher wird dies wohl mehr oder weniger der letzte Eintrag werden, es sei denn ich finde noch das eine oder andere Thema, worüber ich noch etwas schreiben kann …

Ach ja, noch ein Tip zum Ende. Wer jemals dort mitläuft oder als Zuschauer dabei sein sollte: unbedingt bis kurz vor Schluß im Zielbereich bleiben! Die Leute, die dann (schon im Dunkeln) ins Ziel kommen sind vielleicht nicht die schnellsten, aber ohne jeden Zweifel die glücklichsten. Ich habe noch nie so viele glückliche Gesichter in so kurzer Zeit gesehen …

Ort Uhrzeit Laufzeit Zeit für Abschnitt min/km km/h Plazierung
Smågan 09:41:18 01:41:18 01:41:19 09:13 6.51 10773
Mångsbodarna 10:36:57 02:36:57 55:39 04:17 14.02 10132
Risberg 11:25:25 03:25:25 48:28 04:25 13.62 9714
Evertsberg 12:24:57 04:24:57 59:32 04:58 12.09 9256
Oxberg 13:31:00 05:31:00 01:06:03 04:25 13.63 8835
Hökberg 14:19:41 06:19:41 48:41 05:25 11.09 8706
Eldris 15:10:42 07:10:42 51:01 05:07 11.76 8599
Mora 15:52:16 07:52:16 41:34 04:38 12.99 8549
volle Distanz: 93.81 km
Maximale Höhe: 539 m
Minimale Höhe: 154 m
Gesamtanstieg: 5296 m
Gesamtabstieg: -5472 m
Download
    • Carsten Baukus
    • Apr 11th. 2012 8:27pm

    Hallo,

    besten Dank für Deine ausführlichen Berichte!! Das ist sehr informativ. Ich habe für 2014 einen Start beim VL geplant. Könntest Du mir vielleicht bitte das eine Foto vom Start mit dem Feld von hinten als Datei an meine Mail-Adresse senden? Das wäre große Klasse und ich würde mir einen Ausdruck bei den Trainingsgeräten anpinnen.

    Falls „ja“, dann großen Dank für Deine Mühe.

    Schöne Grüße. Carsten Baukus

    • renzo albanese
    • Mrz 28th. 2012 7:39pm

    probiere nächste mal vielleicht die Open Spor am Montag: co 8.000 starter von 7-8h also 13 St. Zeit und viel gemütlicher.
    Leider dieses Jahr ab Smogan nur Schneefall.

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