Powerslide X-Plorer als Trainingsgerät

Zur Vorbereitung auf die Teilnahme am Vasaloppet habe ich relativ viel auf Skirollern gestanden, denn mit Schnee sieht es die überwiegende Zeit des Jahres eher mager aus. Ich besitze und fahre schon seit etlichen Jahren ein Kombimodell von Start. Der Roller ist OK, so richtig glücklich war ich damit jedoch eigentlich nie so recht – aus zweierlei Gründen. Erstens die fehlenden Bremsen: bergab hilft nur abschnallen, denn meine Fähigkeiten reichen für so etwas oder so etwas definitiv nicht aus. Einerseits habe ich bergab zu viel Angst (nach meinem Wadenbeinbruch bin ich einfach psychisch geschädigt), andererseits ist man in der Regel zusammen mit Radfahrern, Ausflüglern usw. auf derselben Strecke unterwegs und die bleiben meist staunend im Weg stehen und wissen nicht, daß man mit Skirollern nicht bremsen kann. Wenn ich nicht weiß, was mich hinter der nächsten Kurve erwartet, fahre ich eben betont langsam. Zweitens das Fahrgefühl: Skiroller werden auf groberem Asphalt unruhig und vibrieren. Das ist nicht nur unangenehm, sondern kann nach einer gewissen Zeit auch schmerzhaft für die Füße werden.

Als Powerslide letztes Jahr den X-Plorer 1.0 (mittlerweile gibt’s die 2.0) auf den Markt brachte, war die Kaufentscheidung ziemlich schnell gefallen. Ein Skike oder ein Powerslide Nordic Skate kam von vornherein nicht in Frage. Warum eine Mittellösung, wenn ich einen richtigen Rollski mit den gleichen Vorzügen haben kann? Leider sind meine Erfahrungen mit dem X-Plorer doch sehr durchwachsen, die negativen Aspekte überwiegen leider die positiven:

  • Dämpfung: Ganz klar positiv, die Luftreifen schlucken Unebenheiten prima weg, Fahren auf nichtasphaltierten Wegen ist bequem möglich solange es nicht sehr holprig wird. Ich muß hier allerdings anmerken, daß ich Rollern als Sommertraining ansehe und kein Interesse an Querfeldeintouren auf Crossskates habe. Andere Leute sehen das aufgrund anderer Vorlieben sicher anders.
  • Achsen: Der erste Schwachpunkt, wie sich relativ schnell herausstellte. Die Achsen werden mit Inbusschlüsseln festgezogen, auf der einen Seite ist eine Schraube, von der anderen Seite wird die Achse durch die vorhandene Bohrung gesteckt. Diese Konstruktion hält jedoch nicht, spätestens nach 15 Kilometern ist mindestens eine Achse locker. Eine Ausfahrt ohne Werkzeug ist undenkbar. Zum Vergleich: mein Start-Roller ist mehrere Jahre alt und der Kilometerstand steht sicher im vierstelligen Bereich. Schrauben mußte ich aber noch nie nachziehen. Leider kann man am X-Plorer die Inbusschrauben auch nicht mit Gewalt festknallen, denn dann biegt sich die Aufhängung ein wenig nach innen und die Räder drehen sich nicht mehr. Ergo: immer zwei Inbusschlüssel in der Hosentasche haben.
  • Steifigkeit: Der X-Plorer ist nicht besonders steif, das heißt, der Holm biegt sich bei Belastung etwas durch. Ich muß allerdings zugeben, daß ich nicht unbedingt ein Fliegengewicht bin. Das Durchbiegen stört nicht weiter, fällt jedoch beim Laufen auf, insbesondere beim Doppelstockschub, wenn man bei der Vorwärtsbewegung die Fußgelenke streckt. Am Ende ist das aber sicherlich Geschmackssache.
  • Bremsen: Der Anbau der Bremsen (ich habe nur eine) gestaltet sich etwas fummelig, insbesondere die Rückholfeder ist störrisch. In Kombination mit der Bindung (bei mir SNS Pilot) ergibt sich das erste Problem: die Bindung muß ein Loch nach vorn versetzt werden, weil sonst die Achse für die Bremsen nicht durch die zugehörige Bohrung paßt. Die „Standardeinstellung“ der Bremse (also der Abstand zwischen Bremsklotz und Reifen) ist unbrauchbar, da beim Fahren jede Bewegung des Unterschenkels zu einem Minibremsvorgang führt. Ich mußte den Bremsklotz maximal weit vom Reifen entfernen, damit das beim Fahren nicht vorkommt. Genau das schränkt jedoch die Wirkung der Bremse wiederum ein. Steilere Abfahrten würde ich daher damit nicht hinunterfahren. Ein weiterer negativer Aspekt ist das Gewicht der Bremse. Man muß das „Bremsbein“ während der Fahrt  betont anheben, weil der Roller aufgrund des Gewichtes nach hinten hängt. Man gewöhnt sich zwar dran, aber schön ist das nicht. Darüberhinaus gibt es noch ein anderes Problem, welches durch das zwangsweise Versetzen der Bindung nach vorn entsteht: der Abstand vom Ende des Schuhs bis zum Ende des Rollers wird noch einmal größer. Das führt dazu, daß man beim Skating keinen sauberen Beinschluß mehr hinbekommt, da sich die Räder hinten bei jedem Schritt kurz berühren. Um das zu vermeiden, läuft man nach kurzer Zeit automatisch etwas breitbeinig – was man sich aber auf keinen Fall angewöhnen sollte. Ohne montierte Bremse funktioniert es übrigens.
  • Abdruck- und Kippverhalten: Zunächst mal hinterläßt der X-Plorer ein recht schwammiges Fahrgefühl, was aufgrund der Luftbereifung nicht so überraschend ist, denn diese soll ja Stöße dämpfen. Ich laufe mit einem Luftdruck von knapp 8 Bar, obwohl die Reifen nur bis 6,5 Bar aufgepumpt werden sollen. Trotzdem bleibt ein seltsames, weiches Gefühl. Bei einem Skiroller ist aufgrund seiner Härte relativ klar, wann er zur Seite kippt, der X-Plorer hingegen ist sehr schwer einzuschätzen. Dadurch entsteht ein unsicheres Gefühl, als ob man nicht die volle Kontrolle über den Roller hat. Damit einhergehend ist mir beim Abdruck eine weitere Seltsamkeit aufgefallen, die ich aber nicht so recht umschreiben kann. Der Abdruck ist, verglichen mit einem Skiroller, natürlich ebenfalls weicher. Jedoch ist es mir schon dreimal passiert, daß während des Abdrucks ein Roller einfach stehenbleibt und man dadurch einfach nach vorn fällt (zum Glück habe ich mir bisher noch nie etwas dabei getan). Ich kann leider nicht erklären, was genau da passiert, meine Theorie ist jedoch folgende: wenn man beim Skating tiefer in die Knie geht und stärker abdrückt, beult sich ein Reifen an der Felge nach innen oder außen etwas ein und bleibt dadurch stehen. Belegen kann ich das nicht, es ist nur eine Vermutung wenn ich mich an die Situation erinnere, in denen das passiert ist.

Tja, und das Zwischenfazit? In der Form, wie der X-Plorer derzeit im Keller liegt, ist er ein nettes Freizeitgerät, mehr aber auch nicht. Als Trainingsgerät ist er verglichen mit einem richtigen Skiroller (und damit muß er sich ja vergleichen lassen!) ziemlich ungeeignet. Die Unzulänglichkeiten der Achsen und der Bremsen wären irgendwie erträglich, das schwammige Abdruckverhalten und das Blockieren der Räder haben jedoch dazu geführt, daß ich den Rollern einfach nicht mehr traue. Mir ist es bisher nicht gelungen, ein Gefühl aufzubauen, wie man den X-Plorer sicher handhaben muß. Kann sein, daß das sehr viel länger braucht. Die gesamte Vasaloppet-Vorbereitung ist am Ende jedoch auf Start und nicht auf Powerslide abgelaufen …

    • Andreas
    • Nov 16th. 2012 5:30pm

    Hallo,

    es heißt Schraubensicherung z.B .LOCTITE 242 und hält sehr gut.

    Ich bin mit dem X-Plorer sehr zufrieden, der weichere Abdruck
    simuliert gut den Ski am Schnee und über den Reifendruck lässt
    sich der Widerstand für das Training gut einstellen.

    • Helmut
    • Aug 16th. 2012 7:29pm

    Hallo Andreas,

    Dann bin ich auf Deinen Bericht gespannt.

    Den Sturz habe ich Dank meiner Elbogenschützer ohne Kratzer überstanden.

     

    Ich laufe zur Zeit nur Skating. Aber der Vasalauf würde mich sehr reizen.

    Ich überlege mir heuer Klassisch als Ergänzung zuzulegen.

     

    mit  sportlichen Grüssen

    Helmut

    • Andreas
    • Aug 15th. 2012 9:04pm

    Ich muß eingestehen, daß ich noch nie von einer Schraubenfestigerflüssigkeit gehört habe – man lernt eben nie aus!

    Ich hoffe, Dir ist bei Deinem Sturz nichts Ernsthaftes passiert. Das mit der losen Schraube bestätigt aber eben auch meine Erfahrungen, scheinbar habe ich kein Sondermodell mit besonders lockeren Schrauben.

    Ich habe übrigens testweise mittlerweile die PU-Rollen auf den Powerslides, ich werde demnächst mal meine Erfahrungen damit hier aufzeichnen.

    • Helmut
    • Aug 15th. 2012 8:08pm

    Habe mit Interesse  Deine Erfahrungen mit den powerslides gelesen. Mich hat es vor einer Woche auf die Nase gelegt da sich eine Schraube gelöst hat. Ich habe bei Powerslide wegen dieses Problems nachgefragt. Man hat mir empfohlen Schraubenfestiger zu verwenden. Ich wurde bei Liqui Moli bzw. Loctite fündig. Bin gespannt ob diese Flüssigkeit das Lösen verhindert.

  1. Keine Trackbacks.