Die Isergebirgslaufkatastophe

Der Saisonauftakt ist Vergangenheit – und endete in einer Katastrophe. Ich glaube, der diesjährige Lauf war mit Abstand das schlimmste Rennen, was ich je mitgelaufen bin. Doch alles der Reihe nach …

Das Problem des Tages war unsere Wachswahl von gestern. Über Nacht hatte es nicht nur kräftig geschneit, leider sind auch die Temperaturen auf 0° und knapp darüber geklettert. Der erste Test vor dem Rennen war innerhalb von einer Minute vorüber – V40 blau extra ist zu hart. Also zurück zur Wachskiste und mit V50 violett abgedeckt. Das Resultat war leider nicht wesentlich besser, der Ski hatte immer noch keinen Stieg, zumindest keinen für 50 km. Da mir nun die Zeit langsam davonlief (Zeit bis zum Start nun nur noch 30 Minuten) eine Verzweiflungstat: da mir V55 rot spezial fehlt, habe ich eine Schicht V60 rot/silber aufgetragen. Ein schwerer Fehler, wie sich kurz darauf herausstellen sollte. Den Ski schnell probiert und festgestellt, daß V60 leidlich funktioniert. Dabei habe ich jedoch die Verpackung eines Energieriegels aufgelesen, die jemand weggeworfen hatte. Diese materialisierte sich in Form von kleinen Fetzen in der Steigzone. Die betreffende Stelle habe ich dann noch dick mit V60 abgedeckt, was vermutlich ebenfalls ein Fehler war. Dann zum Start gerannt, meinen Kleidersack verschnürt und abgegeben und in die vierte Startwelle eingereiht.

9:15 Uhr begann dann für mich das Rennen und es stellte sich sehr schnell heraus, daß es mit der Wachskombination meines Skis nicht funktionieren würde. In der festgetrampelten Spur hatte ich wenig Stieg, neben der Spur innerhalb von Sekunden eine dicke Schneeschicht unter dem Ski (die sich bergab aber recht schnell wieder abfuhr). Doch das sollte nicht das einzige Problem bleiben … Die Organisatoren hatten offensichtlich die Loipen am Vortag gezogen, vor dem Renner aber nicht noch einmal erneuert. Es hatte über Nacht geschneit und nach wenigen Kilometern war von Spuren nichts mehr zu erkennen. Das Resultat: ein einziges Gestocher und Gestolper. Bergauf war es nicht möglich einen sauberen Diagonalschritt zu laufen, bergab ließ sich kaum Doppelstock schieben, da man zu beschäftigt mit dem Halten der Balance war. Auf Außenstehende muß der Lauf gewirkt haben, wie der Wochenendausflug der Seniorenabteilung des Skivereins Buxtehude (mich eingeschlossen). Aufgrunddessen ist mir ziemlich schnell die Lust vergangen. Ich habe mich noch bis Kilometer 25 geschleppt und dort das Rennen entnervt abgebrochen.

Bei Kilometer 25 sollte eigentlich ein Bus warten, der Abbrecher zurück nach Bedrichov bringen sollte. Leider stellte sich nach 90 Minuten vergeblichen Wartens heraus, daß kein Bus kommen würde und die Bergwacht Läufer mit dem Motorschlitten nach Smetava bringen würde (wo ein Bus bereitstand). Leider ist die Kapazität eines Motorschlittens begrenzt und der Transport dauert entsprechend lange. Also habe ich mich am Ende doch noch bis Kilometer 30 durchgeschlagen und bin mit dem Bus zurück zum Start gefahren. Darüberhinaus konnte mir vom Organisationspersonal an der Strecke niemand mit Gewißheit sagen, ob, wann und wo genau Busse fahren würden.

Alles in allem war der Isergebirgslauf 2012 ein ernüchterndes Erlebnis. Für die Schneeverhältnisse können die Organisatoren natürlich nichts, für die mangelhafte Präparation der Strecke allerdings schon. Immerhin ist der Lauf ein Worldloppet-Rennen und kein Wettkampf eines Dorfvereins. Da hätte ich ganz klar wesentlich mehr erwartet.

    • Andreas
    • Jan 11th. 2012 9:23am

    Ja, und zusätzlich habe ich von einem Sportkollegen, der unter den ersten 200 unterwegs war, erfahren, daß der Motorschlitten mit der Kamera für die TV-Liveübertragung die nicht vorhandene Spur noch zusätzlich beschädigt hat.

    • Birgit
    • Jan 11th. 2012 8:51am

    Dem kann ich nur voll zustimmen!

    Der Lauf (zumindest die Präparation der Strecke) war das Letzte! So deutlich sollte man das in diesem Fall ruhig sagen dürfen. Ich/wir habe(n) schon viele World- und Euroloppet-Läufe mitgemacht, aber so etwas  noch nie erlebt. Eigentlich sollten alle Teilnehmer die Organisatoren mit ihrer Nichtteilnahme im kommenden Jahr strafen, das täte richtig weh. (Aber es ist halt so schön dort und der Isergebirgslauf ist einer der schönsten in der ganzen Saison.)
    Was die Organisatoren davon abhielt, die Strecke zu präparieren, wird wolh immer ihr Geheimnis bleiben.

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