Erzgebirgsskimarathon 2012: Tag 2 – Die Einsamkeit der dritten Runde

Nach dem gestrigen Auftakt in der freien Technik stand für Sonntag nun die klassische Technik auf dem Programm. Diesmal bestand die Wahl zwischen 30 und 45 km. Die Wahl fiel nach dem mißlungenen Versuch von letzter Woche ziemlich leicht: ich gehe auf die lange Strecke.

Die Bedingungen am Start waren hervorragend, -8° und eine sehr feste Loipe (großes Lob an die Organisatoren für die Präparation der Strecke). Der Wetterbericht sah keine größeren Temperaturänderungen vor, auch am Vortag war es nach dem Mittag nicht wesentlich wärmer als morgens. Entsprechend einfach war die Wahl des Wachses: V30 blau als Grundwachs aufgebügelt und drei Schichten V40 blau extra aufgetragen. Das funktionierte bei einem Test vor dem Rennen recht gut, da ich aber doch Bedenken bezüglich steigender Temperaturen hatte, habe ich das Ganze am Ende doch noch mit VR45 violett spezial abgedeckt (so nebenbei: VR45 wird von Swix nicht mehr hergestellt, in manchen Läden finden sich aber doch noch Altbestände). Nochmal getestet und für gut befunden.

Die Strecke war die gleiche wie gestern, zuzüglich einer 5 km-Erweiterung Richtung Tellerhäuser, insgesamt also 15 km, die dreimal zu laufen waren. Also die gleichen Voraussetzungen wie gestern: zuerst abfahren und dann mehrere Kilometer stetig bergauf. Der Start verlief im Vergleich zum Vortag verhältnismäßig gesittet (allerdings stand ich diesmal auch nicht in der zweiten Reihe), 10:00 Uhr gingen die 45er auf die Strecke, 15 Minuten später dann die 30er.

Die erste Runde verlief ohne besondere Vorkommnisse, es stellte sich allerdings recht schnell heraus, daß anscheinend ausschließlich die richtig guten Läufer die 45 km in Angriff genommen hatten. Dementsprechend wurde ich schnell nach hinten durchgereicht. Auch diesmal waren nur knapp 100 Läufer am Start, das Feld zog sich also wieder schnell auseinander. Bis Kilometer 15 hatte ich noch Vorderleute, an denen ich mich orientieren konnte, danach habe ich versucht konstant mein eigenes Tempo zu laufen.

Für die erste Runde habe ich 1:09 h gebraucht und beim Durchlauf in Stadion habe ich mich gut gefühlt. Ab Mitte der zweiten Runde mußte ich aber feststellen, daß der Ski den Stieg verlor. Der Anstieg zurück ins Stadion war schon grenzwertig, häufige Ausrutscher kosteten merklich Kraft. Überraschenderweise war die zweite Runde mit 1:10 h trotzdem fast so schnell wie die erste, ein sicheres Zeichen, daß die Loipe durch die Läufer eisiger und damit schneller wurde. Beim Durchlauf zur dritten Runde war ich aber trotzdem noch guter Dinge. Damit begann dann aber auch die Tour der Leiden – und die Runde der Einsamkeit. In der letzten Runde kann man nicht mehr überrundet werden und die 30er laufen nur zwei Runden. Mit anderen Worten: die dritte Runde habe (fast) allein absolviert, von hinten hat mich niemand mehr überholt und nach vorn gab es niemanden, an den ich mich dranhängen konnte (nach vorn und hinten war laut Ergebnisliste am Ende etwa ein Abstand von 10 Minuten). Über lange Strecken war ich ganz allein, noch nicht einmal Skiwanderer waren auf der Strecke unterwegs. Ein seltsames Gefühl, das ich so noch bei keinem Rennen hatte.

In der Abfahrt vom Stadion hinunter dann eine Schrecksekunde: in einer engen Linkskurve vor der ich den Ski einfach laufenlassen habe (in der Annahme daß ich fast allein auf der Strecke bin) zwei Skiwanderer nebeneinander. Ich konnte noch rechtzeitig ausweichen, es hätte aber auch sehr schmerzhaft enden können. Die Abfahrten wurden eisiger und schneller, die GPS-Aufzeichnung ergab für die Abfahrt Richtung Grundweg eine Geschwindigkeit von 40.5 km/h, über einen Sturz bei diesem Tempo will ich lieber nicht nachdenken. Allerdings waren die Spuren immer noch sehr fest, man läuft wie auf Schienen. Gleichzeitig hatte mein Ski ab Kilometer 35 dann den Stieg mehr oder weniger ganz verloren, so daß die letzten 10 Kilometer zur Tortur wurden. Viele Ausrutscher, die man durch nachlassende Kraft nur noch schwer auffangen kann. Entsprechend lange habe ich für die dritte Runde gebraucht. Am Ende zeigte die Uhr 3:37 h als Resultat für die 45 km an, womit ich aber recht zufrieden war. Immerhin ist der Winter noch am Anfang … Alles in allem war der diesjährige Erzgebirgsskimarathon trotzdem sehr schön, durch die hervorragenden Bedingungen hat es richtig Spaß gemacht!

volle Distanz: 42.63 km
Maximale Höhe: 1130 m
Minimale Höhe: 974 m
Gesamtanstieg: 2940 m
Gesamtabstieg: -2950 m
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